Insight · Brandschutz im Bestand
Brandverhütungsschau: Die 12 häufigsten Mängel im Bestand und wie sie sauber abgewickelt werden
Eine Brandverhütungsschau endet selten mit einer leeren Mängelliste. In Bestandsobjekten kommen erfahrungsgemäß zahlreiche Feststellungen pro Begehung zusammen — und der Bescheid setzt knappe Fristen. Wer die Behördenlogik kennt, arbeitet schneller, günstiger und mit einer Akte, die einer Schadenprüfung standhält. Dieser Beitrag listet zwölf Mängel, die in der Bestandspraxis besonders häufig auftauchen — jeweils mit dem Grund, warum die Behörde sie flagged, und dem Pfad, auf dem WGS sie schließt.
Warum dieser Beitrag ein Leitfaden, kein Marketingtext ist
Wir wickeln Brandschutzmängel im Bestand ab — als Koordinator, nicht als Einzelgewerk. Das heißt: wir lesen den Bescheid der Brandschutzdienststelle gegen, ordnen jede Position einer Maßnahme zu, beauftragen die ausführenden Fachfirmen, dokumentieren die Erledigung und übergeben dem Eigentümer eine prüfsichere Mängelakte. Aus dieser Routine — und aus den Wiederholungen, die wir in den letzten Jahren in Logistik-, Produktions- und Verwaltungsobjekten gesehen haben — entsteht die folgende Liste.
Rechtlicher Rahmen ist die Landesbauordnung Baden-Württemberg mit ihren Brandschutzanforderungen, die Musterbauordnung § 14 als Grundpflicht zur Verhinderung der Brandentstehung, die ArbStättV mit den ASR A1.3, A2.2 und A2.3 sowie ein Strang produktbezogener Normen — DIN 4102, DIN EN ISO 7010, DIN 14675, DIN 14406. Wir nennen die Norm dort, wo sie konkret greift; ein Brandschutzkonzept ersetzt sie nicht.
Die zwölf Mängel — sortiert nach Häufigkeit
1. Versperrte oder zugestellte Fluchtwege
Warum es flagged wird. ASR A2.3 fordert frei nutzbare Verkehrswege im Notfall. In gewachsenen Lagern, Produktionsbereichen und auch Bürofluren wandern Paletten, Akten und Möbel in Wege hinein — oft erst nach der letzten Begehung. Die Behörde sieht das als Sofortgefahr und setzt typischerweise eine Frist von wenigen Tagen.
Wie WGS abwickelt. Sofortmaßnahme: räumen, Bodenmarkierung erneuern (gelb-schwarz, ASR A1.3 / DIN 4844), Fluchtwegplan abgleichen. Mittelfrist: organisatorische Regel in der Brandschutzordnung Teil C verankern, damit der Mangel nicht wiederkehrt. In Logistik nutzen wir robuste, rutschhemmende Bodenmarkierungssysteme statt Klebebänder, die in wenigen Wochen wieder verschwinden.
2. Defekte oder fehlende Sicherheitskennzeichnung nach DIN EN ISO 7010
Warum es flagged wird. Rettungszeichen E001/E002, Brandschutzzeichen F001/F002, Verbots- und Warnzeichen sind seit 2013 europaweit nach DIN EN ISO 7010 harmonisiert. Ältere Bestandskennzeichnung (BGV A8) ist formal nicht mehr regelkonform — und Behörden ziehen das mittlerweile konsequent.
Wie WGS abwickelt. Vollerhebung im Objekt mit Foto-Inventar, Mapping auf den aktuellen Soll-Stand der ASR A1.3, langnachleuchtende Schilder nach DIN 67510 als Standard, Kennzeichnungsplan als Anhang zur Mängelakte. Wir tauschen nicht alles aus — nur das, was nicht normkonform ist. Das spart gegenüber einer Pauschalsanierung deutlich Kosten.
3. Brandschutztüren ohne Selbstschließfunktion oder mit Keilen
Warum es flagged wird. T30/T90-Türen sind Bestandteil des baulichen Brandschutzkonzepts. Verkeilte oder dauerhaft festgestellte Türen sind unzulässig — Ausnahmen nur mit zugelassener Feststellanlage (Zulassung des DIBt). Die Behörde dokumentiert das mit Foto und einer typischerweise kurzen Frist.
Wie WGS abwickelt. Drei Pfade je nach Befund: (a) Schließer einstellen, Anschlag prüfen, ggf. Dichtung nachziehen — günstigste Option, häufig ausreichend; (b) zertifizierte Feststellanlage mit Rauchmelder und Stromausfallabschaltung nachrüsten, wenn die Tür betrieblich offen stehen muss; (c) Tausch der Tür, wenn das Tablar verzogen oder die Zarge undicht ist. Wir vergeben an Türenbauer mit eigenem Montageteam, nicht an Trockenbauer mit Drittpartner.
4. Unverschlossene oder unzureichende Brandabschottungen
Warum es flagged wird. Jede Kabel-, Rohr- oder Lüftungsdurchführung durch eine brandschutzklassifizierte Wand muss entsprechend ihrer Funktion fachgerecht abgeschottet sein — Kabelabschottungen typischerweise als S90 nach DIN 4102-9, Rohr- und Lüftungsdurchführungen nach MLAR bzw. M-LüAR mit zugelassenem System. Im Bestand finden wir regelmäßig Lücken, in denen jemand „mal eben" ein Kabel nachgezogen hat. Die Behörde fordert lückenlose Schottnachweise.
Wie WGS abwickelt. Aufnahme aller Wand- und Deckendurchführungen mit Verortung im Plan, Wahl des passenden Systems (Kalziumsilikatplatte + Brandschutzmörtel + Zulassung, oder Kombischott mit Manschetten für Kunststoffrohre), Ausführung durch zugelassenen Schottersteller mit Etikettierung am Schott. Jedes Schott bekommt eine eindeutige ID in der Mängelakte und ein Foto vor und nach der Schließung.
5. Feuerlöscher: abgelaufene Wartung oder fehlende Ausstattung
Warum es flagged wird. Pflicht zur Prüfung alle zwei Jahre nach DIN 14406-4, Ausstattungspflicht nach ASR A2.2 (Löschmitteleinheiten je nach Grundfläche und Brandgefährdung). Behörde liest Datum auf der Plakette ab — abgelaufen heißt nicht-vorhanden.
Wie WGS abwickelt. Sachkundige Prüfung über Vertragspartner, parallel Berechnung der Löschmitteleinheiten gegen den ASR-A2.2-Bedarf. Wenn unterausgestattet, Aufstockung mit ABC-Pulver 6 kg oder Wassernebel 6 l je nach Brandklasse. In Serverräumen empfehlen wir CO2 5 kg statt Pulver — Pulver kontaminiert Hardware so massiv, dass die Versicherung den Folgeschaden gerne diskutiert.
6. RWA-Anlagen ohne aktuellen Funktionsnachweis
Warum es flagged wird. Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) sind nach DIN-Reihe DIN 18232, Herstellervorgaben und einschlägigem Landesrecht regelmäßig — typischerweise jährlich — auf Funktion zu prüfen. Im Bestand fehlen oft Prüfprotokolle der letzten Jahre — die Anlage funktioniert vielleicht, ist aber nicht nachweisbar funktional. Aus Behördensicht: Mangel.
Wie WGS abwickelt. Beauftragung der jährlichen Wartung über zertifizierte RWA-Fachfirma, parallel Funktionstest mit Rauchgeneratoren und Auslösung über jeden Handauslöser. Wenn die Anlage älter als 15 Jahre ist und Steuerung mit Relais arbeitet, prüfen wir gleichzeitig, ob ein Steuerungstausch wirtschaftlicher ist als jährliche Reparaturen. Protokolle gehen in die Mängelakte mit Wiedervorlage T+11 Monate.
7. Brandmeldeanlage (BMA) — nicht nach DIN 14675 betrieben
Warum es flagged wird. DIN 14675 verlangt eine eingewiesene Person, ein Betriebsbuch, regelmäßige Inspektion (vierteljährlich) und Wartung (jährlich) sowie eine Aufschaltung zur Leitstelle, die regelmäßig geprüft wird. Lücken im Betriebsbuch oder eine BMA ohne benannte verantwortliche Person sind klassische Befunde.
Wie WGS abwickelt. Wir liefern die organisatorische Seite — Bestellung der verantwortlichen Person mit Schulungsnachweis, Aufsetzen des Betriebsbuchs als digitale und Papierversion, Wartungsvertrag mit Fachfirma nach DIN 14675-Zertifizierung, regelmäßige Übungsalarme mit Aufschaltung zur Leitstelle. Bei älteren BMA prüfen wir, ob die Zentrale noch mit Ersatzteilen versorgt wird — das entscheidet meist über Sanierung versus Tausch.
8. Notbeleuchtung und Sicherheitsbeleuchtung — Akkus alt oder ausgefallen
Warum es flagged wird. DIN EN 1838 in Verbindung mit DIN VDE 0108-100 stellt Anforderungen an die Sicherheitsbeleuchtung — insbesondere an Beleuchtungsstärke auf Rettungswegen sowie regelmäßige Funktions- und Dauertests. Akkus altern in der Regel in wenigen Jahren; der häufigste Befund ist eine flackernde grüne LED, hinter der ein toter Akku sitzt.
Wie WGS abwickelt. Einzelleuchten-Bestandsaufnahme inkl. Akku-Stand, Tausch der Akkus oder ganzer Leuchten je nach Wirtschaftlichkeit, Umstellung auf zentrale Stromversorgung mit Online-Monitoring bei Objekten ab ca. 80 Leuchten — das nimmt die monatliche Sichtprüfung praktisch aus dem Betreiberalltag heraus.
9. Wandhydranten und Steigleitungen ohne aktuellen Druckprüfnachweis
Warum es flagged wird. Wandhydranten und Steigleitungen sind nach DIN 14462 regelmäßig auf Dichtheit, Druck und Volumenstrom zu prüfen. Wenn das Prüfprotokoll fehlt, gilt der Wandhydrant für die Behörde als nicht funktionsfähig.
Wie WGS abwickelt. Beauftragung einer zertifizierten Fachfirma, Druck- und Durchflussprüfung jeder Entnahmestelle, Erneuerung von Schläuchen mit normkonformen Längen (formstabiler Schlauch 30 m bzw. flachgelegter Schlauch 20 m), Plombierung und Etikettierung. Bei Trockensteigleitungen prüfen wir zusätzlich die Storz-Anschlussstücke — eine häufige Stolperfalle bei älteren Beständen.
10. Brandschutzordnung (Teile A/B/C) fehlt oder ist nicht aktuell
Warum es flagged wird. DIN 14096 verlangt eine objektspezifische Brandschutzordnung in drei Teilen — Aushang (A), Mitarbeiter (B), Sonderfunktionen (C). „Aktuell" heißt: bei Nutzungs-, Personal- oder Anlagenänderung fortgeschrieben. Im Bestand existiert oft eine 8 Jahre alte Ordnung, die nicht mehr zur Realität passt.
Wie WGS abwickelt. Wir schreiben die Brandschutzordnung gegen den aktuellen Objektzustand neu, nicht durch Copy-Paste. Teil A geht als laminierter Aushang an die Fluchtwegtafel, Teil B als Schulungsunterlage zur Erstunterweisung neuer Mitarbeiter, Teil C an Brandschutzbeauftragten und Sicherheitsdienst. Jede Fortschreibung wird datiert und in der Mängelakte abgelegt.
11. Flucht- und Rettungsplan veraltet oder fehlend (DIN ISO 23601)
Warum es flagged wird. Pflicht in Beherbergung, Versammlungsstätten, größeren Arbeitsstätten — mindestens je Geschoss, an Fluchtwegen sichtbar, Format DIN A3, normgerechte Symbolik. Der häufigste Befund: der Plan zeigt die Möblierung von 2018.
Wie WGS abwickelt. Aktuelle Grundrisse (oft aus einer Bestandsaufnahme vorliegend) als CAD-Vorlage, Kennzeichnung aller Fluchtwege, Sammelstellen, Erste-Hilfe- und Brandschutzeinrichtungen, Druck auf langnachleuchtendem Träger, Montage hinter Acrylglas an festgelegten Standorten. Bei größeren Beständen pflegen wir die Pläne als CAD-Layer, sodass eine Revision beim nächsten Umbau in zwei Tagen möglich ist.
12. Fehlende oder unvollständige Mängelakte aus Vor-Begehungen
Warum es flagged wird. Wenn die Behörde eine Mängelakte sehen will und Sie haben keine — oder eine unstrukturierte Sammlung von Lieferscheinen — wird jede Vor-Begehung erneut geöffnet. Das verlängert die Frist nicht, es verkürzt sie. Versicherer fordern die Akte spätestens im Schadenfall.
Wie WGS abwickelt. Ab Auftragsbeginn wird jede Maßnahme mit eindeutiger ID, Foto vor/nach, Prüfprotokoll, Rechnung der ausführenden Fachfirma und Bestätigung des Auftraggebers in einer digitalen Akte abgelegt. Übergabe als verschlüsselter PDF-Ordner zur Ablage beim Eigentümer plus Backup auf deutschem Server. Die Akte ist so aufgebaut, dass eine Versicherung im Schadenfall die Position in unter 30 Sekunden findet.
Fristenkalender — was die Behörde typischerweise setzt
- Sofort / 1–7 Tage: versperrte Fluchtwege, defekte Fluchttüren, ausgefallene BMA, fehlende Feuerlöscher in Sofortbereichen.
- 4 Wochen: Kennzeichnung, Brandschutzordnung, Selbstschließer einstellen, Akku-Tausch Notbeleuchtung.
- 3 Monate: Wartungsverträge BMA/RWA neu aufsetzen, Wandhydrantenprüfung, Schottschließungen kleinerer Anzahl.
- 6 Monate: Schottschließungen objektweit, T30/T90-Türnachrüstung, Notbeleuchtung Voll-Sanierung.
- 12 Monate: bauliche Maßnahmen — Brandwand schließen, Treppenraum entrauchen, RWA neu auslegen.
Behörden verlängern Fristen mit belastbarem Maßnahmenplan erfahrungsgemäß bereitwillig. Verlängerungen ohne Plan: nahezu nie.
Was eine Mängelakte enthalten muss, damit sie hält
Wir sehen häufig Akten, die intern „komplett" sind, aber im Schadenfall nicht standhalten. Eine prüfsichere Akte enthält je Position: eindeutige ID mit Verortung im Plan, Foto vor und nach der Maßnahme, Prüfprotokoll oder Sachkundenachweis, Rechnung der ausführenden Fachfirma, Datum und Unterschrift des Auftraggebers, Verweis auf die zugrundeliegende Behördenfeststellung. Nur diese Kombination schließt die Position rechtssicher ab. Lieferscheine reichen nicht.
Wann externer Sachverständiger sinnvoll wird
Drei Konstellationen rechtfertigen den Aufwand: (1) Nutzungsänderung mit neuem Brandschutzkonzept, (2) bauliche Eingriffe ins tragende Brandschutzkonzept (Wanddurchbrüche, Geschosserweiterung), (3) Schadenfall mit erkennbarem Konflikt zur Versicherung. In allen anderen Fällen reicht ein erfahrener Bestandsdienstleister, der die Behörde versteht und sauber dokumentiert.
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